Die hohe Qualität des Bestandes, der sehr sorgfältig in die Hanglage eingebettet ist, macht einen Abriss kaum vertretbar. Die beiden Einfamilienhäuser und ihre Grundstrukturen bieten ideale Voraussetzungen für eine Transformation, bei der die vorhandene Ausnutzungsreserve durch ergänzende Anbauten und Aufstockungen generiert werden können.
Die bestehende Situation mit ihren volumetrischen Gliederungen und den Terrainsprüngen bietet sich geradezu an, weitergebaut zu werden. Die Erweiterungen werden, wie Puzzleteile an die bestehende Struktur angesetzt und ergänzen diese. So können insgesamt elf unterschiedlich grosse Wohneinheiten mit eigenen Aussenräumen und Ausrichtungen etabliert werden.
Das Grundprinzip der feingliedrigen, gegeneinander versetzten Gebäudeteile wird im Entwurf fortgeführt. Bestand und Neubau fügen sich selbstverständlich ineinander und formulieren gemeinsam eine neue Figur. Die dadurch entstehenden Volumina übernehmen die städtebauliche Grundstruktur und Körnung der umliegenden Bebauung und gliedern sich in die kleinteilige Baustruktur der Nachbarschaft ein. Die bestehenden Gebäude werden im Zuge der Ertüchtigung bis auf den Rohbau rückgebaut und gezielt erweitert. Die ergänzenden Volumina greifen die grundlegende Formensprache des Bestandes auf und interpretieren dessen gestalterische Elemente weiter, sodass ein subtiler Dialog zwischen Alt und Neu entsteht.
Die Gebäudehüllen der beiden Bestandsgebäude werden wärmetechnisch ertüchtigt und mit neuen Fenstern versehen. Die ergänzenden Neubauvolumen werden als Holzkonstruktionen gedacht. Als lokal nachwachsender Baustoff ermöglicht Holz aufgrund seines vergleichsweisen geringen Eigengewichts und seiner hohen Anpassungsfähigkeit eine sensible Reaktion auf den Bestand. Die Fassaden der neuen Gebäudeteile sind als hinterlüftete, gestrichene Holzverkleidungen denkbar. So entsteht eine subtile Analogie zum Bestand, verbunden mit einer Neuinterpretation in eine zeitgenössische Formensprache.
Der Erhalt gebauter Substanz ermöglicht es, gebundene Ressourcen und graue Energie zu bewahren und den Ausstoss von Treibhausgasen gegenüber einem konventionellen Abriss und Neubau deutlich zu minimieren.
Die Strategie des Weiterbauens kann die Bauherrschaft im Grundsatz überzeugen, dennoch fehlt aus Sorge vor unvorhergesehenen Schwierigkeiten im Rahmen der Transformationsaufgabe der Mut, diesen Weg zu beschreiten – obwohl auch die Kosten für eine Transformation des Bestandes dafürgesprochen hätten.
Die Versprechungen des teureren auf sich selbst konzentrierten Ersatzneubaus mit Tiefgarage, entsprechen nach wie vor zu sehr den verbreiteten Vorstellungen von „modernen“ und „marktorientierten“ Wohngebäuden.
Wir sind ernüchtert – und zugleich angespornt diese Haltung zu verändern.