Die Stadt Horgen lädt zu einem Planerwahlverfahren für ein neues Schulhausprovisorium am Standort Gehren ein. Im Rahmen unserer Recherche mit der Projektaufgabe stossen wir auf das leerstehende Spitalprovisorium des See-Spitals Horgen. Dieses hat während der vierjährigen Erweiterungs- und Sanierungsphase temporär Spitalnutzungen aufgenommen und steht nun, nach Abschluss der Bauarbeiten, leer und bereit für den Rückbau durch den Unternehmer.
Wir nehmen Kontakt zu dem Unternehmer auf und erhalten vertiefte Informationen zur Konstruktionsweise der Module des Provisoriums. Die befristete Nutzungsdauer mit anschliessender Rücknahme durch den Unternehmer ist bereits Bestandteil der ursprünglichen Ausschreibung, Planung und Realisierung, weshalb das Gebäude komplett additiv und rückbaufähig erstellt ist.
Es zeigt sich schnell, dass die Raumgrössen mit geringem Aufwand an die zukünftige Nutzung als Schule angepasst werden können. Das Spitalprovisorium kann in einzelne Grundmodule, die den Transportmassen eines Lastwagens entsprechen, aufgeteilt und örtlich versetzt werden. Gemeinsam mit dem Unternehmer bilden wir unser Wettbewerbsteam und formulierten unser Konzept wie folgt:
Keine drei Kilometer Fahrdistanz trennen die beiden Standorte des Schulhauses Gehren und des See-Spitals innerhalb der Gemeindegrenzen von Horgen. Während der eine Standort zusätzliche Nutzfläche benötigt, steht das Provisorium am anderen Standort bereits leer und wartet auf seinen Rückbau.
Grundsätzlich steht dem Projektvorhaben nichts im Weg: Lokal vorhandene Möglichkeiten nutzen, um einen ökologischen, ökonomischen sowie sozialen Mehrwert zu generieren.
Die Grundstrategie ist einfach und klar: von Horgen für Horgen. Sie ermöglicht einen suffizienten Umgang mit bestehenden Ressourcen, spart erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen, entspricht den Kostenzielwerten der Gemeinde für ein Schulhausprovisorium und ist zeitlich schneller umsetzbar als eine Neuproduktion von gleichwertigen Modulen.
Im Planerwahlverfahren können wir mit diesem einleuchtenden Konzept überzeugen. Die Schulbehörde zeigt sich flexibel in Bezug auf systembedingte Abweichungen bei Raumflächen und Zimmerhöhen.
Gleichzeitig zeigt der Projektstart, dass die herkömmlichen politischen Prozesse und Denkweisen für eine direkte zirkuläre Bauaufgabe noch nicht vorbereitet und dadurch überfordert sind. Zu lange Entscheidungswege, ausgelegt auf SIA-konforme Abläufe, kombiniert mit der rein profitorientierten Denkweise des Unternehmers, bringen das Projekt noch vor dem eigentlichen Planungsstart zum Scheitern. Die reservierten Module werden vom Unternehmer anderweitig verkauft, um den maximalen Gewinn abzuschöpfen und keine Risiken einzugehen.
Das Resultat: Horgen erhält keinen dringend benötigten Schulraum, die Gemeinde wird im Projektprozess zurückgeworfen und muss weitere Jahre auf das Provisorium warten.
Ein Scheitern an dieser so offensichtlichen Ausgangslage zeigt, dass unsere politischen Abläufe mit den ungeduldigen wirtschaftlichen Kalkülen der Unternehmer noch nicht überein gebracht werden können. Dennoch nehmen wir die Herausforderung an und gehen weiter auf diesem Weg.